Mit dem Ersatzneubau der Brücke über das Kuppritzer Wasser auf der S 111 in Wurschen (Landkreis Bautzen, Ostsachsen) wurde 2021 ein bundesweit wegweisendes Infrastrukturprojekt realisiert: die erste Straßenbrücke aus Carbonbeton im Freistaat Sachsen.
Der Bau begann am 29. April 2021 und wurde im Dezember desselben Jahres abgeschlossen. Entstanden ist eine einschiffige Flachrahmenbrücke mit einem Vollplattenquerschnitt und einer Stützweite von ca. 6,60 m. Während Unterbauten und Fundamente klassisch in Stahlbeton ausgeführt wurden, besteht der Überbau vollständig aus carbonbewehrtem Beton. Zum Einsatz kamen sowohl Carbonstäbe als auch Carbonmatten aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.
Die neue Bauweise verlängert den Lebenszyklus der Brücke im Vergleich zu konventionellen Stahlbetonkonstruktionen erheblich, da die Carbonbewehrung korrosionsfrei und sehr dauerhaft ist.
Die Brücke wurde einem umfangreichen Prüfprogramm unterzogen:
Alle Tests bestätigten die Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit. Im Dezember 2021 wurde die Brücke für den gesamten Verkehr – inklusive Schwerlastverkehr über 40 t – freigegeben.
Das Projekt wurde von der LISt GmbH (Landesamt für Straßenbau und Verkehr, Sachsen) betreut. Forschungspartner waren die Technische Universität Dresden und die RWTH Aachen, die die Bemessungsgrundlagen für den Einsatz von Carbonbeton im Brückenbau entwickelten. Zudem war der C³ – Carbon Concrete Composite e.V. eingebunden.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durch den Einsatz von Carbonbeton dauerhafte, nachhaltige und ressourcenschonende Infrastruktur geschaffen werden kann.
Fotos:
© LISt GmbH als Vertreter des Auftraggebers (Freistaat Sachsen, LASuV)
© Stephan Gröschel, TU Dresden