Die Investitionskosten einer Betoninstandsetzung mit Carbonbewehrung können höher sein als bei einer vergleichbaren Lösung mit konventioneller Stahlbewehrung. Diese Tatsache muss bei Planung, Ausschreibung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung transparent berücksichtigt werden.
Die wirtschaftliche Bewertung sollte jedoch nicht ausschließlich auf den unmittelbaren Material- oder Herstellungskosten beruhen. Entscheidend ist vielmehr die Betrachtung der Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum eines Bauwerks.
Aus dieser Perspektive stellt sich nicht allein die Frage, welche Bewehrung die geringsten anfänglichen Kosten verursacht. Vielmehr ist zu bewerten, welches Instandsetzungskonzept unter den jeweiligen Randbedingungen geeignet ist, den langfristigen Instandhaltungsaufwand und die damit verbundenen betrieblichen Auswirkungen möglichst gering zu halten.
Gerade bei chloridbeanspruchten Bauwerken beschränken sich die Kosten einer Instandsetzung selten auf Material und Einbau. Hinzu kommen unter anderem Baustelleneinrichtung, Zugang, Verkehrsführung, Arbeitsleistung, Nutzungseinschränkungen, Sperrungen, Inspektionen sowie zukünftige Instandsetzungsmaßnahmen und Erneuerungen von Oberflächenschutzsystemen.
Vor diesem Hintergrund kann die Wahl einer Bewehrung, die selbst nicht den für Stahl typischen Korrosionsmechanismen infolge von Chloriden unterliegt, einen wesentlichen Einfluss auf die langfristige Lebenszyklusbetrachtung haben.
Stahlbetonkonstruktionen in chloridbeanspruchten Umgebungen unterliegen häufig wiederkehrenden Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Umfang und zeitlicher Verlauf hängen dabei von zahlreichen Faktoren ab, darunter Exposition, Nutzung, konstruktive Ausbildung und Ausführungsqualität.
Jede dieser Maßnahmen verursacht direkte und indirekte Kosten – von regelmäßigen Inspektionen über lokale Instandsetzungen bis hin zu umfangreichen Ertüchtigungen oder dem Austausch einzelner Bauteile.
Carbonbewehrung selbst unterliegt keiner Korrosion infolge von Chloriden. In Bereichen, in denen sie anstelle korrosionsanfälliger Stahlbewehrung eingesetzt wird, entfällt für die neu eingebrachte Bewehrung dieser Schadensmechanismus.
Ob und in welchem Umfang sich daraus wirtschaftliche Vorteile ergeben, hängt vom jeweiligen Bauwerk und seinem Betrachtungszeitraum ab. Über ausreichend lange Nutzungszeiträume können sich die höheren Anfangsinvestitionen durch reduzierte Instandhaltungsmaßnahmen und geringere betriebliche Einschränkungen zumindest teilweise kompensieren.
Die von solidian & kelteks bereitgestellten Unterlagen zur Dauerhaftigkeit und Lebenszyklusbetrachtung dienen dazu, diese Zusammenhänge anhand technischer Szenarien und Projektbetrachtungen nachvollziehbar darzustellen.
Die Bewertung von Lebenszykluskosten unterscheidet sich je nach Blickwinkel.
Für Tragwerksplaner steht die technische und wirtschaftliche Bewertung eines Instandsetzungskonzepts im Vordergrund. Für Eigentümer und Infrastrukturbetreiber stellt sich häufig die praktische Frage:
Wie häufig wird dieses Bauwerk während seiner Nutzungsdauer erneut von Instandsetzungsmaßnahmen betroffen sein und welche betrieblichen Auswirkungen sind damit verbunden?
Parkhausbetreiber kennen die wirtschaftlichen Folgen gesperrter Parkebenen und reduzierter Stellplatzkapazitäten. Betreiber von Brückenbauwerken müssen Verkehrsführungen und Nutzungseinschränkungen organisieren. Kommunen und Infrastrukturbetreiber stehen regelmäßig vor der Herausforderung, Instandhaltungsmaßnahmen langfristig zu planen und zu finanzieren.
Vor diesem Hintergrund kann ein Instandsetzungskonzept, das die Dauerhaftigkeit der instandgesetzten Bereiche verbessert und zukünftige Eingriffe reduziert oder zeitlich hinauszögert, wirtschaftliche Vorteile bieten. Die konkrete Bewertung bleibt jedoch stets projektspezifisch.
In diesem Zusammenhang wird Carbonbewehrung nicht als grundsätzlich kostengünstigeres Material betrachtet. Vielmehr kann sie – abhängig von den jeweiligen Randbedingungen – einen Beitrag zur Optimierung der langfristigen Lebenszykluskosten leisten.
Die Lebenszyklusbetrachtung beschränkt sich nicht auf die Tragkonstruktion. Auch das Zusammenspiel von Reparaturschicht, Bewehrung und Oberflächenschutzsystem kann Einfluss auf die langfristige Dauerhaftigkeit und den späteren Instandhaltungsaufwand haben.
solidian ANTICRACK wurde speziell für Anwendungen entwickelt, bei denen die Begrenzung und Verteilung von Rissbreiten eine wesentliche Rolle spielt. Die besandete Oberfläche ermöglicht einen sehr guten mechanischen Verbund mit geeigneten Reparaturmörteln.
Im Zusammenwirken aus Bewehrung, Verbundeigenschaften und Reparaturmörtel kann dies zu einer günstigeren Rissverteilung und einer wirksamen Begrenzung der Rissbreiten innerhalb der Reparaturschicht beitragen.
Ein kontrolliertes Rissverhalten kann wiederum Einfluss auf die Anforderungen an das Gesamtsystem aus Reparaturmörtel und Oberflächenschutz haben. Die Auswahl des geeigneten Oberflächenschutzsystems ist jedoch stets unter Berücksichtigung der projektspezifischen Randbedingungen sowie der geltenden technischen Regelwerke zu treffen.
Reparaturmörtel, Bewehrungsanordnung, Rissbreitenbegrenzung und Oberflächenschutz sollten deshalb immer gemeinsam betrachtet werden.
Bei Projekten, in denen Lebenszykluskosten Bestandteil der Ausschreibung, Wirtschaftlichkeitsbewertung oder Entscheidungsfindung sind, können technische Unterlagen zur Dauerhaftigkeit sowie Umweltproduktdeklarationen (EPDs) eine wichtige Grundlage darstellen.
Diese Dokumente können dazu beitragen, die Betrachtung frühzeitig von reinen Erstkosten auf die Gesamtbetriebskosten, Instandsetzungsintervalle, Wartungsplanung und langfristige Dauerhaftigkeit auszudehnen.
Je nach technischer Aufgabenstellung kann die Bewertung dabei sowohl Maßnahmen der Betoninstandsetzung als auch lastabtragende Tragwerksverstärkungen umfassen. Für entsprechende Anwendungen können – abhängig von den projektspezifischen Anforderungen und den geltenden Nachweisen – auch zugelassene Verstärkungssysteme wie CARBOrefit® in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden.
Insbesondere bei Projekten, bei denen Lebenszykluskosten bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden sollen, empfiehlt sich eine frühzeitige technische Abstimmung zwischen Bauherr, Planer und den beteiligten Systempartnern.
Für projektbezogene Lebenszyklusbetrachtungen und technische Bewertungen können unter anderem folgende Unterlagen herangezogen werden:
Welche Unterlagen für die Bewertung im konkreten Projekt maßgebend sind, hängt von der jeweiligen Aufgabenstellung und den projektspezifischen Randbedingungen ab.
Zur Unterstützung von Planern bieten wir ein umfangreiches Planning Center mit relevanten Dokumenten und einem Beechnungstool zur Vordimensionierung. Wenn Sie Bewehrungsoptionen für ein konkretes Instandsetzungsprojekt prüfen, kann unser technisches Team die relevanten Parameter und Dokumente mit Ihnen besprechen.
