9.6.2026.

Die Frage, die oft erst an zweiter Stelle kommt

Bei der Planung einer Betonreparatur drehen sich die ersten Gespräche meist um das Mörtelsystem. Welche Produktklasse, welche Expositionsklasse, welche Untergrundvorbereitung, welches Oberflächenschutzsystem. Das sind die richtigen Fragen. Aber es gibt eine Frage, die häufig weniger Aufmerksamkeit erhält und deren Antwort den langfristigen Erfolg der Instandsetzung stärker beeinflussen kann als jede Mörtelentscheidung: Welche Bewehrung wird wieder eingebaut?

Bei Bauwerken, die bereits Korrosionsschäden aufweisen, ist die Bewehrung per Definition das Element, das der Umgebung, in der es eingebaut war, nicht dauerhaft standhalten konnte. Chloride haben den Stahl erreicht. Korrosion hat eingesetzt. Der Beton wurde dadurch geschädigt. Reparaturmörtel stellt den Querschnitt wieder her. Wenn jedoch erneut Stahl in dieselbe Umgebung eingebracht wird - in derselben Tiefe und unter derselben Chloridbelastung - beginnt die Uhr von vorne zu laufen.

Das Problem der Betondeckung in der Instandsetzung

Konventionelle Stahlbewehrung benötigt Betondeckung. Diese Betondeckung schützt den Stahl vor Carbonatisierung und Chlorideintrag. Im Neubau kann die Betondeckung ausgehend von der erwarteten Expositionsklasse geplant werden. In der Instandsetzung ist die Situation stärker eingeschränkt.

Die Chloridfront ist häufig bereits so tief in den vorhandenen Beton eingedrungen, dass die Einhaltung einer ausreichenden Betondeckung für neue Stahlbewehrung innerhalb einer gleichzeitig praktikabel dünnen Reparaturschicht zu einer echten planerischen Herausforderung wird.

Wird die Betondeckung erhöht, wird die Reparaturschicht schwerer und erhöht das Eigengewicht eines Bauteils, das bereits bestehende Lasten trägt. Wird die Betondeckung reduziert, um die Schicht dünn zu halten, wird der langfristige Schutz des Stahls beeinträchtigt.

Nichtmetallische Bewehrung verändert diese Randbedingung grundlegend. Carbon- und Glasfasergitter korrodieren nicht. Sie werden nicht durch Chloride, Tausalze, Säuren oder Sulfate angegriffen. Die erforderliche Betondeckung dient nicht dem Korrosionsschutz, sondern dem Kraftschluss, dem Verbund und den projektspezifischen Anforderungen. Dadurch werden dünnere Reparaturschichten, weniger zusätzliches Eigengewicht und der Verzicht auf ein erneut korrosionsempfindliches Element in der Instandsetzungszone möglich.

Was sich ändert, wenn die Bewehrung nichtmetallisch ist

Der Unterschied liegt nicht nur im Material. Er verändert die Planungslogik der Reparaturschicht.

Bei Stahlbewehrung ist die Betondeckung Teil der Korrosionsschutzstrategie. In chloridbelasteten Instandsetzungsbereichen kann dadurch ein Konflikt zwischen der für die Dauerhaftigkeit erforderlichen Betondeckung und der auf dem bestehenden Bauteil praktisch umsetzbaren Reparaturschichtdicke entstehen.

Bei Carbon- oder Glasfaser-Gitterbewehrung wird die Betondeckung nicht mehr benötigt, um die Bewehrung vor Korrosion zu schützen. Sie wird durch Verbund, Kraftübertragung und die spezifischen Anforderungen des Instandsetzungskonzepts bestimmt. Dadurch können Planer dünnere Reparaturschichten, geringeres zusätzliches Eigengewicht und eine Bewehrungsanordnung näher an der Oberfläche prüfen, wo eine Rissbreitenbegrenzung erforderlich ist.

In der Praxis beeinflusst die Wahl der Bewehrung:

  • die erforderliche Dicke der Reparaturschicht
  • das zusätzliche Eigengewicht
  • die Rissbreitenbegrenzung
  • die Kompatibilität mit Oberflächenschutzsystemen
  • die langfristige Dauerhaftigkeit in chloridbelasteten Bereichen
  • die technische Dokumentation für Zulassung und Ausschreibung

Was der Zulassungsrahmen ermöglicht

Für Ingenieure in Deutschland ist der Einsatz nichtmetallischer Bewehrung in der Instandsetzung keine Frage experimenteller Anwendung mehr. solidian GRID verfügt über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) und eine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) des DIBt. Die Bemessung erfolgt nach der DAfStb-Richtlinie für Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung - demselben regulatorischen Rahmen, der auch den Neubau mit diesen Materialien regelt.

Das bedeutet: Der Einsatz von Carbon-Gitterbewehrung in einer Reparaturschicht kann innerhalb eines etablierten und nachvollziehbaren Prozesses bemessen, ausgeschrieben, statisch nachgewiesen und geprüft werden. Das Projekt Ludwigshafen - die statische Ertüchtigung einer Parkhausdecke in Kombination mit kathodischem Korrosionsschutz - war die erste dokumentierte Anwendung dieser Art in Deutschland. Heute ist es ein dokumentiertes Referenzprojekt.

Die Dimension der Rissbreite

Die Wahl der Bewehrung in der Instandsetzung betrifft nicht nur den Korrosionsschutz. Sie beeinflusst auch das Rissverhalten in der Reparaturschicht und damit die Leistungsfähigkeit eines darüber aufgebrachten Oberflächenschutzsystems.

solidian ANTICRACK ist eine Variante von solidian GRID, die speziell für die Rissbreitenbegrenzung entwickelt wurde. Die besandete Oberfläche sorgt für einen starken mechanischen Verbund mit dem Reparaturmörtel. Da die Bewehrung ohne Korrosionsrisiko sehr nahe an der Oberfläche angeordnet werden kann, wirkt sie direkt auf die Rissbildung in der Reparaturschicht.

Das Ergebnis sind kleinere und gleichmäßiger verteilte Rissbreiten. Dadurch werden die Anforderungen an das darüberliegende Oberflächenschutzsystem reduziert.

Bei ausreichend begrenzten Rissbreiten in der Reparaturschicht kann ein starres OS8-Oberflächenschutzsystem ausreichend sein. Ohne diese Risskontrolle können flexible, rissüberbrückende Systeme wie OS10 bis OS14 erforderlich werden. Starre Systeme sind mechanisch widerstandsfähiger und erfordern nicht den regelmäßigen Austausch, den eine flexible Membran benötigt. Das ist ein direkter, kalkulierbarer Unterschied bei den langfristigen Instandhaltungskosten.

Die endgültige Systemauswahl muss immer projektspezifisch geprüft werden. Rissbreitenbegrenzung, Reparaturmörtel, Bewehrungsanordnung und Oberflächenschutzsystem müssen gemeinsam betrachtet werden. Deshalb ist eine frühe Abstimmung zwischen Planer, Systemanbieter und Bewehrungshersteller besonders wichtig, insbesondere bei Projekten, bei denen die Leistungsfähigkeit des Oberflächenschutzes und zukünftige Instandhaltungsintervalle Teil der Entscheidung sind.

Praktische Relevanz für aktuelle Projekte

Wenn Sie aktuell ein Betonreparaturprojekt planen und Bewehrungsoptionen bewerten, sollten insbesondere die Expositionsklasse, die verfügbare Dicke der Reparaturschicht, die statischen Anforderungen und das geplante Oberflächenschutzsystem geprüft werden.

Die statische Anforderung kann von Reprofilierung und Querschnittsergänzung bis hin zur lastabtragenden Verstärkung reichen. Jeder Fall stellt unterschiedliche Anforderungen an Bewehrungsauswahl, Bewehrungsanordnung, Dokumentation und Nachweisführung.

Diese Entscheidungen sollten früh geklärt werden. Die Wahl der Bewehrung ist nicht nur ein Materialaustausch. Sie beeinflusst das Instandsetzungskonzept, das Oberflächenschutzsystem, das erwartete Instandhaltungsintervall und den technischen Weg zur Spezifikation.

Empfohlene Dokumente für die Spezifikation

Für die technische Bewertung und Spezifikation sind insbesondere folgende Dokumente relevant:

Möchten Sie Ihr Projekt besprechen?

Zur Unterstützung von Planern und Ingenieuren bieten wir ein umfangreiches Planning Center mit relevanten Dokumenten und einem Bemessungstool. Wenn Sie Bewehrungsoptionen für ein konkretes Instandsetzungs- oder Verstärkungsprojekt prüfen, kann unser technisches Team die relevanten Parameter und Dokumente mit Ihnen besprechen.

solidian kelteks +49 7431 10 3135 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.